Jewish-Christian Relations

Einsichten und Anliegen des christlich-jüdischen Gesprächs

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Koschel, Ansgar

Schalom Ben Chorin

„Freunde, daß der Mandelzweig wieder blüht und treibt.”
Zum Tode von Schalom Ben Chorin (am 7. Mai 1999)

1935 emigrierte der 1913 in München geborene Friedrich Rosenthal nach schlimmen persönlichen Erfahrungen mit den Nazis. In Israel nahm er bewußt den Namen Schalom Ben Chorin (Frieden, Sohn der Freiheit) an. Der Mandelbaum vor seinem Haus in Jerusalem war ihm selbst „in den düsteren Jahren des Zweiten Weltkrieges und der beispiellosen Verfolgungen” – wie es in seinem Gedicht heißt – „Zeichen für des Lebens Sieg”.

In der in diesem Gedicht ausgedrückten Hoffnung hat er unermüdlich bis ins hohe Alter hinein gewirkt, publizistisch, als Redner und Gesprächspartner. Er begleitete kritisch und dann auch hoffnungsvoll den Aufbau eines demokratischen Deutschland nach dem Krieg – er fuhr bereits 1956 erstmals wieder in das Land und in die Stadt, aus der er 20 Jahre zuvor zwangsweise emigrieren mußte. Im Denken Persönlichkeiten wie Martin Buber und Leo Baeck verbunden, sprach er in Studentengemeinden, Universitäten, Akademien und auf Kirchentagen, unterstützte die Aktion Sühnezeichen bei ihrer Tätigkeit in Israel und wurde Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft „Juden und Christen” beim Evangelischen Kirchentag. Wie Leo Baeck sah er das Evangelium als ein Zeugnis jüdischen Glaubens und konnte von daher vielen jungen und älteren Christen Zugänge des Verständnisses des Judentums und zugleich tiefere Einsicht in ihre eigene Religion schenken.

In Israel selbst setzte er sich für eine Verlebendigung des Judentums sowie für ein friedvolles Zusammenleben von Juden und Palästinensern ein.

1982 hat ihm der Deutsche KoordinierungsRat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit die BUBER-ROSENZWEIG-Medaille „in Anerkennung seiner Pionierarbeit für ein besseres Verständnis von Juden und Christen, Israelis und Deutschen” verliehen. Er würdigt Schalom Ben Chorins „Verdienste um eine auch Nicht-Juden verständliche Interpretation jüdischen Glaubens”. (Aus der Urkunde zur Verleihung der BUBER-ROSENZWEIG-Medaille 1982)

Die Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit sind dankbar für die Begegnung mit Schalom Ben Chorin. Seine Worte, die er gesprochen und geschrieben hat, geben einen „Fingerzeig” seiner großen Persönlichkeit! Der Deutsche KoordinierungsRat wird seiner dankend und ehrend gedenken.

Dr. Ansgar Koschel Generalsekretär
Deutscher KoordinierungsRat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit


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